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Hurtigruten Fjordkreuzfahrt Norwegen

 

Hier sind die Eindrücke einer Reise zu finden, die meine Frau Gaby und ich vom 11. bis 25. Februar 2024 absolvieren.


Wir starten direkt in Faak am See, von wo wir mit der ÖBB bis zum Wiener Flughafen gelangen. Von Wien geht es mit dem Flugzeug über Amsterdam nach Bergen in Norwegen. Dort beginnt die eigentliche Postschiffreise mit der "MS Kong Harald" entlang der Fjorde und Schären Westnorwegens bis hoch nach Kirkenes an der russischen Grenze und wieder zurück nach Bergen.

 

 

 

 

<<< Anklicken des Bildes führt zur Beschreibung des Schiffes

auf dem Hurtigruten Webauftritt.

 

Auf Hurtigwiki gibt es noch detailliertere Infos: [https://hurtigwiki.de/schiffe/ms_kong_harald]

Nachfolgend sind die einzelnen Stationen der Schiffsreise ersichtlich. Rote Pins bedeuten, dass der Aufenthalt zumindest eine Stunde dauert. Bei allen Pins sind die planmäßigen Ankunftszeiten hinterlegt, bei den roten auch die Aufenthaltsdauer und die Zeiten von Sonnenauf- und -untergang an diesem Tag an diesem Ort.

 

[11. Februar 2024]   Anreise nach Wien

 

Geplant ist es, von zu Hause, also ab Faak am See, mit der Bahn nach Wien anzureisen. Alle Tickets sind vorhanden und die Plätze reserviert. Wir stehen also mit dem ganzen Gepäck am Bahnhof, doch die Reise fängt ja schon gut an: Wegen eines technischen Gebrechens fährt der Zug zwischen Faak und Villach nicht. Der angekündigte Schienenersatzverkehr taucht natürlich zuverlässig nicht auf und so ist es unserem Nachbarn zu verdanken, dass wir doch rechtzeitig nach Villach zu unserem Railjet kommen.

 

Der Railjet von Villach nach Wien ist übervoll und ich sitze ziemlich unbequem: Der Sitz ist eng, die Armlehnen ergonomischer Wahnsinn und meine Knie stoßen ständig entweder an meinem Gegenübersitzenden, Neben-mir-sitzenden, oder an einem völlig sinnfremd positionierten Tischbein an. Ich leide still vor mich hin und bedaure mich selbst, vor allem ärgere ich mich, dass wir nicht mit dem Auto anreisen.

 

Toll ist, dass der Zug fast direkt unter unserem Flughafenhotel hält und die Wege mit dem Gepäck daher sehr kurz sind. 

[12. Februar 2024]   Anreise nach Bergen

 

Abgesehen davon, dass wir das Zimmer etwas überheizt finden, schläft es sich im NH Hotel direkt am Wiener Flughafen wunderbar. Es ist überraschend leise, die Matratze und die Pölster haben eine perfekte Härte und beim Früh-Checkout um etwa halb sechs gibt es gratis Kaffee und Croisants.

 

Check-in und Boarding verlaufen unspektakulär, allerdings ist der Flieger der KLM ziemlich voll und viele husten und niesen. Der Sitzplatz ist jedenfalls weitaus bequemer, wie jener im Railjet der ÖBB. In Amsterdam gilt es zweieinhalb Stunden im Transitbereich zu vertrödeln, wir essen eine Kleinigkeit und lesen Zeitung. Der Weiterflug nach Bergen vergeht rasch bei einem Käsebrötchen und Getränken und ein wenig dahin-dösen.

Der Shuttlebus bringt uns bis fast vor das Hotel Bristol, an dem wir im Eifer fast vorbeilaufen.

 

Nach dem Hotel-Check-in und ein wenig frisch machen geht es gleich ins den alten Hafen. Beim Fisketorget (Fischmarkt) schlendern wir herum und können dann nicht widerstehen, uns in das Lokal Fjellskål zu setzen, wo wir von Kathryn bestens beraten und bedient werden. Gaby isst eine regionale Variante von fish 'n' chips und ich esse einen Heilbutt. Die 2 Gläser Weißwein sind erwartungsgemäß teurer, als die Speisen. Jedenfalls sind wir begeistert von der Freundlichkeit und dem guten Geschmack der Speisen.

 

Anschließend noch ein kurzer Bummel entlang der bekannten Häuserfront von Bryggen, dann treiben uns Nässe und Kälte ins Hotel zurück.

 

[13. Februar 2024]   Aufenthalt in Bergen und Einschiffung

 

Das Frühstück im Thon Hotel Bristol ist beeindruckend und lässt keine Wünsche offen. Wir schlagen kräftig zu, um für den Tag gerüstet zu sein.

 

Dann machen wir uns auf und erkunden nochmals die älteren Stadtteile in Hafennähe. Das Wetter weiß nicht so recht, was es will, Nieseln, Schnee, Regen - nur Sonne gibt es definitiv nicht. Irgendwann ist es soweit, dass es so kräftig regnet, dass ich die Kamera wegpacken muss. Wir Vertrödeln etwas Zeit in einer Shopping-Mall und trinken heißen Kakao. 

 

Was im Zuge unseres Bummels auffällt: Es ist wenig Verkehr, in Norwegens zweitgrößter Stadt, trotz Schlechtwetters viele Rad- und E-Scooter-Fahrer und vor allem, dass gefühlt 80% der PKWs E-Autos sind. Da sind Marken vertreten, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt.

 

Um 16:00 holt uns der Shuttlebus pünktlich ab und bald stehen wir wieder bei einem Check-in a-la Flughafen. Das dauert etwa eine Stunde, dann gibt es im Terminal eine Sicherheitsunterweisung und schon können wir an Bord und die Kabine beziehen. Sie ist erwartungsgemäß nicht groß, aber geschickt angeordnet. Dadurch, dass sich die Betten hochklappen lassen, ist das Raumgefühl eh in Ordnung. Wir haben Gott-sei-Dank eine Kabine mit großem Fenster an Deck 5 (#541), sodass auch die Aussicht direkt aus der Kabine ok-isch ist. Da werden sich die 12 Tage an Bord des Schiffes "MS Kong Harald" gut aushalten lassen.

 

Bald sitzen wir im großen Speisesaal beim Abendessen und - was soll man sagen - es ist ausgezeichnet. An einem riesigen Buffet gibt es alles, was das Herz begehrt: Brote, Salate, kalte Vorspeisen, warme Vorspeisen, Fleisch, Fisch und vegetarische Gerichte, Nachspeisen aller Art ... Wir müssen uns sehr beherrschen, nicht noch etwas, und noch etwas zu holen.

 

Eine sehr nett gehaltene kurze Information zu den Gepflogenheiten an Bord und den Ausflügen, die man optional machen kann rundet den Abend ab. Auch den Haarfön, den Gaby in der Kabine vermisst, bekommen wir am Reception-desk ganz unbürokratisch. Und nun "Gute Nacht!"

 

[14. Februar 2024]   Fahrt von Bergen nach Ålesund

 

Die nächtliche Fahrt verbringen wir ziemlich gut schlafend, die Matratzen und Pölster sind für unsere Vorlieben perfekt. Zeitweise, wenn das Schiff nicht zwischen den schützenden Schären fährt, sondern breitseits zur offenen See, schaukelt es doch ganz kräftig. Man weiß ja nie, wie der Körper mit dem Rollen des Schiffes umgeht, aber wir stecken das weg, ohne dass uns übel wird. Die letzte Anlegestelle vor Ålesund erleben wir schon munter vom 5er-Deck aus.

 

In Ålesund ist ein mehrstündiger Aufenthalt geplant. Gaby und ich haben keinen Stress, denn wir haben den Ort ja schon gesehen und da es regnet, lassen wir uns mit dem Verlassen des Schiffes Zeit bis zu einer vermeintlichen Regenpause, die dann aber doch eher kurz ist - zu kurz, wie wir finden. Den geplanten Aufstieg zur Aussichtsplattform Aksla lassen wir dann auch noch bleiben, da die Wege komplett vereist sind. Übrigens so, wie fast alle Gehsteige. Das Gehen ist echt mühsam.. Die Einheimischen behelfen sich offensichtlich flächendeckend mit Grödeln - ist wohl bequemer, als ständig Gehsteige freizuschaufeln. Nun gut, das Jugendstil-Zentrum, wofür Ålesund bekannt ist, durchwandern wir natürlich trotzdem, sind dann aber relativ bald wieder zurück an Bord.

 

Zu Mittag erfreuen erneut kulinarische Highlights, dann ein bissel Siesta.

 

Am Nachmittag erlebe ich eine probeweise Wasserung der Rettungsboote, da dürfte so eine Art TÜV am Werk sein, und alles überprüfen.

 

Auch die Sonne zeigt sich kurz, also eher so ultrakurz, aber es reicht für ein paar sehr stimmungsvolle Fotos, wie ich meine.

 

[15. Februar 2024]   Fahrt von Ålesund nach Trondheim

 

Nach dem langen Aufenthalt in Ålesund fährt das Schiff so gegen 20:00 Uhr ab. Wir verbringen noch etwas Zeit auf Deck 7 in der "Explorer Lounge Bar". Die Nacht ist extrem ruhig und wir schlafen wie die Babys. 

 

Morgens, so gegen halb Acht, frühstücken wir ausgiebig und dann wird es auch schon interessant. Das Wetter wird zusehends besser, bei der Anfahrt auf Trondheim blinzelt schon die Sonne durch.

 

In Trondheim haben wir Aufenthalt von 09:45 bis 12:45 Uhr. Das reicht locker, um die Innenstadthalbinsel mit den bekannt bunten Häusern entlang der Nidelva und den Nidarosdom zu besichtigen. Das Wetter hat sich perfekt entwickelt und so leuchten uns die Häuser und deren Spiegelungen in der Nidelva kräftig entgegen.

 

Wieder sehr auffällig ist, das offensichtlich mindestens 80% aller PKWs und extrem viele Kleintransporter rein elektrisch unterwegs sind. Zu sehen war auch ein Fahrzeug, dass ich im ersten Anlauf für eine Straßenbahngarnitur hielt, das sich dann aber als (reinelektrischer!) Mehrgelenksbus entpuppte.

 

Nach dem - wieder exzellenten - Mittagessen sitzen wir wieder auf Deck 7 und genießen die Weiterfahrt im strahlenden Sonnenschein. Wir fahren an vielen schönen Schären und Inseln vorbei und passieren auch einmal einen pittoresken Leuchtturm.

 

Um 17:00 wird ein Film über Nordlichter präsentiert, welche Mythen und Erklärungen im historischen Verlauf es gab und wie der aktuelle Stand der Wissenschaft ist, danach ist schon wieder Abendessen angesagt. Übrigens: Für heute sind abgeblich 13% Wahrscheinlichkeit für Aurora-Sichtungen auf unserer Position angekündigt, mein Aurora-App sagt 0% - schauen wir einmal, wer recht behalten wird.

 

[16. Februar 2024]   Fahrt nach Bodø und auf die Lofoten

 

Tatsächlich werden von der Schiffscrew so gegen 20:00 "leichte Nordlichter" angekündigt. Alle stürmen auf die Außendecks, trotz Windes und trotz der Kälte. Ich sehe nur schwarze Luft, Gaby und viele andere auch. Somit gehen wir wieder in unsere Lounge. Einige Reisende kommen doch tatsächlich mit fuchtelnden Handys und behaupten, einen zarten Grünschimmer am Bild zu haben. Nun gut, lassen wir das so im Raum stehen.

 

Die nächtliche Weiterfahrt ist ruhig und nur durch das Gepolter in den kurzen Aufenthalten für den Ladungsumschlag in diversen Häfen unterbrochen.

 

Um 08:11 Uhr überqueren wir irgendwo zwischen Nesna und Ønes den "Arctic Circle", den Polarkreis. Ich hatte im Vorfeld 07:47 errechnet und lag damit wohl einiges daneben. Später am Vormittag hängen dann "Polarsirkel Sertifikaten" an den Kabinentüren, sodass wir ab jetzt als zertifizierte Polarkreisüberschreiter gelten. Ich finde, schon deswegen hat sich die Reise ausgezahlt ;-)

 

Auf der Strecke nach Bodø - finde ich - wird die Schärenlandschaft zusehends attraktiver. Anstelle der milden Rücken, erscheinen immer mehr schroffe und höhere Berge, die da aus dem Wasser ragen. Zarte Rosa- und Blautöne zwischen den Wolken lassen die Landschaft noch viel schöner aussehen.

 

In Bodø gibt es einen etwa zweistündigen Aufenthalt, den wir aber ungenutzt lassen, da es hier keine to dos gibt, die wir erledigen wollen.

 

Nach der Überfahrt zu den Lofoten legen wir in Stamsund an und müssen rasch in den Bus wechseln, der uns zum Lofotr Viking Museum nach Bøstad  bringt. Nach etwa einer halben Stunde Busfahrt treffen wir am nachkonstruierten Vikinger-Langhaus ein, das sich "lebendiges Museum" nennt. Wir haben ein "Vikingerfest", das "Jul Blut" (? richtig geschrieben ?), bei dem die Götter angerufen wurden, doch die Sonne wiederzubringen, gebucht. Alles ist sehr nett hergerichtet, wir bekommen Med (Honigwein) und eine Lammspeise mit Gemüse. Dazu Darbietungen, wie man sich vorstellt, dass dies auch die Vikinger so handhabten, also so in etwa zumindest.

 

Spätabends gibt es meist Livemusik von "Mari und Johan"; Johann spielt Gitarre, Mari Klavier, und beide singen, oft auch durchaus anspruchsvolle Duette. Während Johan eine tiefe, fast rauchige Stimme hat, schafft Mari selbst höchste Töne glasklar rüberzubringen. Im Repertoire finden sich modernere Songs, wie Berlin von King & Potter genauso, wie Rock-Klassiker a-la "Wish You Were Here" von Pink Floyd. Kompliment an die beiden an dieser Stelle.

 

[17. Februar 2024]   Fahrt von den Lofoten, vorbei an Senja, nach Tromsø

 

Vermutlich einen der schönsten Streckenabschnitte entlang der Lofoten und  durch den Raftsund passieren wir mitten in der Nacht, also ohne Chance auf Aussicht und daher schlafend.

 

Am Vormittag fahren wir östlich an Senja vorbei. Etwas vor Finnsnes setzt Schneefall ein, die Sicht geht gegen Null. Ein Viertelstündchen später strahlender Sonnenschein im Hafen von Finnsnes - echt verrückt, wie schnell hier das Wetter wechselt.

 

Um 14:15 langen wir in Tromsø ein und auch hier gibt es einen steten Wechsel zwischen Schneefall und Sonnenfenstern. Wir schlendern durch die Altstadt und besuchen die "Eismeerkathedrale", die norwegisch "Ishavskatedralen" genannt wird, aber eigentlich "Tromsdalen kirke" heißt, und eine evangelisch-lutherische Pfarr- und Seemannskirche ist. Beim Zurückgehen über die Tromsøbrua, die riesige Tromsø-Brücke, wird es schon dämmrig und der Rückweg durch die Altstadt ist wunderschön stimmungsvoll. Die Schneedecke, der leichte Schneefall und die Beleuchtung lassen die Stadt sich von ihrer schönsten Seite zeigen.

 

Zum Abendessen sind wir wieder an Bord und bald geht die Reise weiter Richtung Nordkapp.

 

 

[18. Februar 2024]   Fahrt von  Tromsø zum Nordkapp

 

Noch mit den tollen Eindrücken von Tromsø im Kopf verschlummern wir den größten Teil der Weiterfahrt Richtung Norden. Wenngleich andere Passagiere da nicht so gesehen haben werden, verläuft unsere Nacht gut. Man merkt am Deck 7 dass viel gehustet und geniest wird. Dort und da bringen Menschen mit Masken Tabletts mit Speisen und Getränken in diverse Kajüten, der Speisesaal ist ausgedünnt besucht, daher denkt man sich seinen Teil.

 

In Havøysund gehe ich um ca. 08:30 das erste Mal eine Deckrunde und schieße ein paar Fotos. Johan und Mari geben bei einem sogenannten "Gathering" unterhaltsam Informationen zur Gegend, die wir gerade durchfahren, bekannt. An Deck liegt Schnee, was beim Gehen komisch anmutet.

 

Wir essen etwas mehr zum Frühstück, da ja heute infolge der Exkursion das Mittagessen ausfallen wird.

 

Gegen 11:00 Uhr treffen wir in Honningsvåg ein. Johan und Mari wachteln uns mit großen Norwegenflaggen den Weg zu den Bussen. Es geht vorbei an der Statue des Kriegs-Schiffshundes Bamse, der posthum sogar eine Tapferkeitsmedaille erhielt [Link]. Eigentlich bin ich so gar nicht an der Touristenfalle Nordkapp interessiert, aber da der Ausflug im Paket inbegriffen ist, was soll ´s, fahre ich mit Gaby und den anderen mit. Ein Konvoi von Bussen setzt sich in Bewegung und eine aus Thailand(!) stammende Reiseführerin erklärt uns routiniert auf Deutsch(!) alles Wichtige rund um Honningsvåg und das Nordkapp. An einer Kreuzung gibt es ein paar Minuten Halt, denn von dort geht es nur im begleiteten Konvoi einspurig hinter einem Schneepflug weiter. Das Wetter wechselt in kurzen Abständen und wir langen bei einer Schneefallpause am Nordkapp ein. Alle strömen aus den Bussen und erkunden das Touristencenter und eilen natürlich zum bekannten eisernen Globus. Über kurz oder lang sind auch Gaby und ich beim Globus und machen ein Selfie. Mit ein bissel Improvisation schaffe ich es sogar ein Foto zu schießen, wo man meinen könnte Gaby steht alleine vor dem Monument. Die Zeit vergeht rasch, wir trinken noch einen Kaffee und schon geht es wieder retour zum Schiff.

 

Nach der Abfahrt in Honningsvåg hatte die Crew bereits vor größeren Wellen und Seegang gewarnt, beim Abendessen war das Resultat im Speisesaal sichtbar: An jedem Tisch fehlen Leute, die offensichtlich damit beschäftigt sind, in ihren Kajüten bestimmte bereitgestellte Tüten zu befüllen. Na ja, oder sie liegen einfach mit Übelkeit im Bett, kann auch sein. Gott sei Dank macht der Seegang weder Gaby, noch mir etwas aus, wir verbringen den restlichen Abend lesend.

 

 

[19. Februar 2024]   Wendepunkt Kirkenes

 

Die nächtliche Fahrt mit dem kräftigen Seegang infolge Windes und meterhoher *zwinker* Wellen ist bestimmendes Thema an den Frühstückstischen. Gaby und ich haben das gut weggesteckt und so langen wir kräftig zu und mampfen fleißig ohne flaues Gefühl im Magen.

 

Zirka um 9 Uhr legen wir in Kirkenes an. Wir haben dreieinhalb Stunden Zeit die Stadt zu besichtigen. So lange kann man sich hier vor Ort gar nicht beschäftigen, denn eigentlich gibt es genau gar nichts zu sehen. Na ja, ein Denkmal zu Ehren der Russen, die die Stadt 1944 von den Nazis befreit haben und einen Luftschutzkeller aus dem 2.. Weltkrieg, der aber geschlossen ist. Besser sind die dran, die einen Ausflug gebucht haben, wir aber sind um 11:30 schon wieder an Bord.

 

Mit etwas Verzögerung, das Schiff musste auf die verspätetete Ankunft des Fluges mit etlichen südwärts fahrenden Gästen warten, legen wir wieder ab und sind ab sofort "südfahrend" unterwegs.

 

[20. Februar 2024]   Ab jetzt südfahrend: Von Kirkenes über Hammerfest nach Tromsø

 

Die Nacht ist sehr stürmisch und von rauer See geprägt. Der Kahn wird kräftig durchgeschüttelt und ist ganz schön in Bewegung, und zwar in alle Richtungen. Dort und da hört man in benachbarten Kabinen Gegenstände zu Boden stürzen und ganz oft hört man die WC-Spülung. Es ist verblüffend: Andererseits bewegen sich Gegenstände auch auf glatten Oberflächen gar nicht. Ich habe etwa ein Objektiv und eine kleine Mineralwasserflasche auf dem Fensterbrett stehen, beides bewegt sich keinen Millimeter.

 

Schon während des Frühstücks hüpfe ich fallweise auf und renne aufs 5er-Aussichtsdeck um ein paar Fotos zu schießen. Wunderschöne Landschaft zieht bei uns vorbei.

 

In Hammerfest, wird die Anlegepause für eine Stadtführung genützt. Die Zeit ist knapp, daher mit Bus-Unterstützung. Wir klappern die Meridiansäule, einen höher gelegenen Aussichtspunkt und das Wiederaufbau-Museum ab. Ich zwacke von der Museumszeit noch rasch im Laufschritt eine Hauptplatzrunde ab, insbesondere um auch die Eisbären-Skulptur vor dem Gemeindeamt zu sehen. Auch die, den Stockfisch-Gerüsten nachempfundene, Kirche besuche ich im Eilgang.

 

Wieder auf dem Schiff führt uns die Weiterfahrt bei immer schöner werdendem Wetter durch eine traumhaft schöne Landschaft. Genau vor dem nördlichsten Windräderpark, Havøygavlen, begegnen wir der Havila Pollux. Es ist erheiternd, wie dezent dieses Schiff uns begrüßt und wie brachial laut unseres antwortet. Das ist mir auch bei einer anderen Begegnung so aufgefallen..

 

Gemächlich geht es weiter, viele von der Sonne angeleuchtete Bergrücken ragen rötlich gefärbt aus der sonst so blaustichigen Umgebung - herrlich!

 

 

Hammerfest Panorama - Für volle Auflösung Bild anklicken

 

 

... und auf Höhe Skjervøa sehen wir endlich die ersehnten  N O R D L I C H T E R !      Hier die Fotos in hoher Auflösung
(Zum Durchblättern und Vergrößern Bild anklicken): 

 

[21. Februar 2024]   Vesterålen, Stokmarknes und Svolvær

 

Im Ausflugspaket ist auch eine Busfahrt mit diversen Besichtigungen auf den Vesterålen enthalten. Begonnen wird mit einer kleinen Stadtrundfahrt in Harstad, einer jungdynamischen, aufstrebenden Universitätsstadt, die quasi in Konkurrenz zu Tromsø steht. Es folgt die Besichtigung der evangelisch-lutherischen Kirche von Trondenes auf der Halbinsel Trondenes, etwa drei Kilometer nördlich von Harstad. Sie ist die nördlichste mittelalterliche Steinkirche der Welt. Auch ein Museum und Freilichtmuseum werden besichtigt.

 

Weiter geht es über die Vesterålen, entlang von Fjorden und Sunden. Fjorde sind nur einseitig offen, quasi Sackgassen, als Sunde werden beidseitig offene Meeresengen bezeichnet, die man somit auch zur Durchfahrt nutzen kann. Leider ist es regnerisch trüb, sodass uns wohl die schönsten Ausblicke verwehrt bleiben.

 

In Sortland geht es wieder pünktlich an Bord, doch schon bald, in Stokmarknes gibt es wieder einen Besichtigungspunkt, nämlich das Hurtigruten-Museum. Ein architektonisch sehr ansprechender Stahl-Glasbau, der ein ehemaliges Hurtigruten-Schiff, die Finnmarken, sehr schön und mit viel persönlichem Engagement museal aufbereitet beherbergt. 

 

 

 

 

Im Anschluss folgt die Raftsund-Passage, von der ich mir in Hinblick auf landschaftliche Eindrücke sehr viel erwartet hatte, wo aber leider das Wetter so gar nicht mitspielt. Der guten Ordnung halber fährt das Schiff auch um die Insel Ulvøya herum und zur Trollfjordmündung, jedoch nicht hinein. Trotzdem wird geknipst, was das Zeug hält, na ja, man nimmt, was man kriegt.

 

In Svolvær nehme ich an einer Nachtwanderung auf den Linken (?) teil, stolze 170hm, aber eine ganz nette, nächtliche Aussicht auf Svolvær sind der Lohn. Und natürlich ein Energie-Riegel von Johan ;-)

Zeitgleich sieht sich Gaby die Ausstellung "Magic Ice" an, eine großartige Präsentation von diversen Eisskulpturen, zusätzlich sehr gut in Szene gesetzt durch geschickte Beleuchtung.

(Photocredit @ Magic Ice: Gerald Pape - thx!)

 

 

[Verpflegung und Service an Bord der MS Kong Harald]

 

Ich denke, es wird Zeit, sich einmal zur "Versorgungssituation" an Bord zu äußern. Die Feststellungen dazu fallen allerdings sehr einseitig aus. Einseitig positiv. Also eigentlich durchwegs geprägt von Superlativen, positiven Superlativen, aber der Reihe nach:

  • Sauberkeit: Maximale Punktezahl
    Das Kabinenservice arbeitet top, auch die diversen Sanitäranlagen an Bord sind zu allen Tages- und Nachtzeiten in maximal sauberem Zustand. Ich konnte über all die lange Zeit nichts zum Mäkeln finden.

  • Hygiene: Maximale Punktezahl
    Hygiene wird an Bord groß geschrieben, an allen Ecken und Enden befinden sich Desinfekt-Spender, die Kellnerinnen und Kellner lassen niemanden zu Tisch, bevor dieser entsprechend gereinigt wurde, immer wieder werden bei den Gatherings auch die Hygieneregeln erläutert.
    Leider sind aber bei vielen Bordgästen die Pandemiejahre offensichtlich spurlos vorübergegangen und sie niesen und husten beherzt in ihre Handflächen. Ein Drama.

  • Service durch Rezeption, Expedition-Team, und all die anderen: Maximale Punktezahl
    Alle Anliegen zu allen Belangen wurden immer freundlichst und proaktiv erledigt. All die "Gatherings" und Vorträge wurden stets unterhaltsam und informativ abgehalten, auf alle Fragen und Anliegen ging man ein.

  • Verpflegung: Maximale Punktezahl
    Vom überaus umfangreichen,  Frühstücksbuffet, über das ebenso umfangreiche und maximal vielseitige Mittagsbuffet, bis hin zum Dinner, das meist als Dreigänge-Essen mit Service gehalten war, kann man nur sagen: Da bleiben absolut keine(!) Wünsche offen. Auch an unsere sich fleischlos ernährenden Mitreisenden wurde gedacht und ein vielfältiges Angebot bereitgestellt.

Auch dazu noch schnell ein Wort: WLAN und normalen Handyempfang gibt es so gut wie entlang der gesamten Strecke. Steckdosen mit USB-Buchse gibt es unzählige an Bord, in der Lounge und im Aufenthaltsbereich auf Deck 4 ist bei fast jedem Tisch so eine Steckdose im Nahbereich. Das finde ich sehr zeitgemäß und kundenorientiert.

 

Nachfolgend ein paar Fotos aus unserem Speisesaal. Danke der Crew für die Shooting Permission.

 

 

[22. Februar 2024]   Polarkreis, Sieben Schwestern, Brønnøysund

 

Um 08:45 überfahren wir erneut den Polarkreis, diesmal eben südfahrend.  Es hat überhaupt nicht geholpert.

 

Zunächst fahren wir kurz nach Sandnessjøen an der berühmten Bergformation "Sieben Schwestern" vorbei. Die Schwestern sind aber etwas schüchtern und versuchen sich unter einem Wolkenmäntelchen zu verstecken, was Gott-sei-Dank nicht ganz gelingt.

 

Im Anschluss beim nächsten Halt ein kurzer Ausflug bei Traumwetter nach Brønnøysund, einer kleinen Stadt, die genau gleich weit vom Nordkapp, wie vom Südkapp (Lindesnes) entfernt ist.

 

Heute abends gibt es ein fünfgängiges "Farewell-Dinner" und einen Sektempfang mit dem Kapitän und seiner engeren Crew. Anschließend genießen wir erneut Live Musik von
"Mari und Johan".

 

Der angekündigte Seegang während der Nachtstunden fällt moderat aus, ich schlafe wie ein Baby und kriege von daher sowieso nichts mit.

 

... und weil ´ s so schön ist, noch eine Schiffsbegegnung, hier mit der MS Richard With, einem mit der MS Kong Harald baugleichen Schwesterschiff der Hurtigruten-Flotte.

[23. Februar 2024]   Trondheim, Kristiansund, Molde

 

In Trondheim sind wir so früh und zu so vergleichsweise schlechten Wetterbedingungen, dass wir gar nicht erst von Bord gehen. Heute also einmal ein spätes Frühstück genossen.

 

Später gibt es die tägliche "Johan-Pærson-Entertainment-Show", der gute Mann macht die täglichen Gatherings so lustig und unterhaltsam, dass man sie gar nicht verpassen will.

 

Auf Grund einer Schlechtwettervorhersage entscheidet der Kapitän, dass Kristiansund nur als stop-and-go angelaufen wird, und dafür ersatzweise der Aufenthalt in Molde länger ausfallen soll. Kristiansund ist ein echt pittoresker Ort, auf 4 Inseln verteilt gelegen. Den schönsten Ausblick hat man vermutlich ohnedies von der Wasserseite, von daher ist der verkürzte Aufenthalt gut verschmerzbar. Die Ausflugsteilnehmer des Marmorbergwerkes werden von Bord gelassen und schon geht es weiter. Bonus für die Ausflugteilnehmer: Sie fahren mit dem Bus über Land, anstatt übers offene Meer, wie wir.

 

Wenn ich jetzt gerade beim Schreiben aus dem Kabinenfenster blicke herrscht schon ziemlich bewegter Seegang, die "Schaumkrönchen" tanzen auf den Wellen und mitunter erwische ich die falsche Taste, weil der Kahn so "rollt" - so sagt man das, glaube ich.

 

[24. Februar 2024]   Molde - Bergen

 

 

Wie bereits gesagt, auf Grund der Schlechtwettervorhersage entscheidet der Kapitän etwas umzudisponieren, auch was die Streckenführung anbelangt. Dem ist es zu verdanken, dass die Fahrt nicht gerade "kuselik", sondern eher "schaukelig", aber dennoch gut erträglich ist. Auch die Leute, die zur Seekrankheit geneigt haben, haben das inzwischen gut im Griff.

 

Eines der landschaftlichen Highlights ist die Fahrt vorbei an den Inseln und Schären, die als das Ergebnis der kaledonischen Orogenese angesehen werden können. Das Wetter könnte besser sein, aber einzele Sonnenstrahlen verirren sich dennoch durch die Wolkenbarrieren. Oft hört man den Begriff "Modelleisenbahnlandschaft".

 

Um 09:00 müssen die Koffer gepackt beim Lift stehen, um 10:00 müssen die Kabinen geräumt sein. Ich schaffe es, meinen Koffer zum Explodieren zu bringen - der Reißverschluss gibt w.o. In letzter Sekunde ergattere ich im Bordshop 2 Koffergurte um  wohlfeile 500 NOK (rund 50 Euro), womit jetzt die Koffergurte mehr wert sind, als der ganze Koffer - aber: Situation gerettet. Der übliche Essens-Rhythmus wird durch einen Brunch bis 12:30 ersetzt, also verhungern muss wahrlich niemand. Bei lustigen Gesprächen vergeht die Zeit kurzweilig und viel zu rasch.

 

Das Offboarding verläuft relativ gesittet, geordnet und diszipliniert, einige unserer Lieblingsdeutschen bevorzugen allerdings anstatt des "Johan-Systems", dennoch das "Mallorca-System", soll heißen, drängeln und erbitterter Kampf um die ankommenden Koffer, anstelle ruhigen Abwartens - dürfte irgendwie genetisch bedingt sein ...  ;-)

 

Anreise zum Flughafen und Flüge verlaufen unspektakulär.

 

Am VIE Vienna International Airport lässt uns die Verabschiedung von unserem kleinen Dreamteam noch etwas sentimental werden.

 

Für Gaby und mich folgen noch eine Nacht im Flughafenhotel und die Weiterreise mit der ÖBB nach Hause am Folgetag.

 



[Danksagung]

 

Nach dieser großartigen Reise mit all ihren überwältigenden Eindrücken bleibt noch eine Herzensangelegenheit zu tun, nämlich Euch, Gerald, Andrea, Andrea und Gustav (vlnr), die ihr auf so nette Weise dazu beigetragen habt, dass diese Reise unvergesslich bleiben wird, für Eure Gesellschaft und all die vielen lustigen Unterhaltungen und Gespräche zu danken. Ihr wart quasi das Sahnehäubchen, das i-Tüpfelchen, die Krönung dieser Reise!

 

Zu guter Letzt auch noch ein "Servus" und lieben Dank an Uwe für die nette Gesellschaft und die zahlreichen Gespräche und fotografischen "Fachsimpeleien", die wir führen konnten. 

Weiterhin viele schöne Reisen und Erlebnisse wünschen wir Dir. Vielleicht findest Du ja eine Möglichkeit das Fotobuch Nr. 5 auch online zugänglich zu machen, ich denke, das würde nicht nur mich sehr freuen.



Kommentare

Kommentare: 5
  • #5

    Andrea und Gustav (Donnerstag, 29 Februar 2024 22:26)

    Danke an euch für die lieben Worte, die wir unsererseits nur zurückgeben können!
    Eure Gesellschaft während dieser wunderbaren Reise war quasi ein "nicht buchbares und somit unbezahlbares Extra" - unsere Unterhaltungen eine absolute Bereicherung (auch bei manch stärkerem Seegang :)

  • #4

    Peter (Montag, 19 Februar 2024 10:43)

    Wieder superschöne Bilder und tolle Informationen, Danke. Wünsche Euch noch eine schöne Reise und kommt gesund wieder Heim. LG aus Kärnten

  • #3

    Hucky & Tina (Samstag, 17 Februar 2024 16:08)

    Hei hei Norge Guys - da kullern fast die Tränen - bei den pics und unseren Erinnerungen - hoffen es gibt a g‘scheite Nachbesprechung über eure Eindrücke und uns’re Erlebnisse im letzten Sommer - Norway see you soon in den LYNGEN Alps - und euch2 noch eine „epic Route“ - Hucky

  • #2

    Claudi (Samstag, 17 Februar 2024 12:32)

    Herrliche Bilder !
    Gute Reise für Euch, genießt das leckere Essen und die Zeit an Bord…natürlich auch an Land�☀️

  • #1

    Andi (Samstag, 17 Februar 2024)

    Sehr tolle Infos,danke dafür.Wünschen eine gute Reise und freuen uns auf noch mehr Fotos.