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Norwegen

Fotogalerie

Unser Reisetagebuch

Anreise

Es ist Mittwoch, der 29. Mai 2019. Gaby darf um 16:00 Uhr vorzeitig die Firma verlassen, sodass wir um 16:45 im zuvor fix und fertig gepackten WoMo sitzen und losfahren. Wir kommen gut voran, ab etwa München hört auch der Regen auf. Mein Plan ist es, zumindest bis Ingolstadt zu kommen, also rund 400 km zu machen. Die Gesamtstrecke bis zur Fähre beträgt ja rund 1.650km und ist damit kaum am Stück in einem Tag zu bewältigen. Letztendlich schaffe ich 475km, parke auf der A9 in Höhe Nürnberg und wir verbringen eine relativ angenehme Nacht.

Am nächsten Tag geht es schon um knapp nach 05:00 Uhr weiter, ich bin eben schon ausgeschlafen. Google Maps ist unsere Navigationshilfe und leitet uns perfekt um Staus herum und damit entlang der schnellsten Strecke. Der Verkehr in unserer Richtung ist eher gering und - da Feiertag - praktisch ohne LKW. Einziges Haar in der Suppe: Unzählige Baustellen auf Deutschlands Autobahnen und die damit verbundenen 80-km/h-Beschränkungen. Der Check In für die Fährfahrt in Hirtshals beginnt am 31. Mai um 10:45 Uhr, also beende ich die Anfahrt rund 200km vor Hirtshals und wir verbringen erneut eine recht erholsame Nacht.

Am somit dritten Tag der Anreise bleibt nicht viel zu tun, die verbleibenden 200km sind bald abgespult und wir genießen ein feines Frühstück im sonnigen Ortskern von Hirtshals.

 

Der Check In für die Fähre erfolgt problemlos, alle Fahrzeuge sind pünktlich an Bord und ebenso pünktlich legt die „Fjordcat“ der Fjordline ab. Der Seegang ist erträglich, also kaum nennenswert. Die Fähre legt dann nach rund 2:15 Std Fahrzeit sogar ein paar Minuten vor der Planankunftszeit um 14:15 in Kristiansand an.

 

Kristiansand

Ich hatte irgendwo aufgeschnappt, dass das Hafenstädtchen Kristiansand durchaus einen Abstecher wert sei. Daher fahren wir zunächst in den Ortskern „Kvadraturen“ und parken irgendwo in der Kirkegate. Wir marschieren ein wenig herum und sind sehr erstaunt über den Ortsteil „Gravane“. Alles sehr sauber und nett und man kann sogar mit dem Boot, so man eines hat, quasi bis Mitten ins Geschehen fahren und dort anlegen. Viele junge einheimische Leute, aber auch viele Kreuzfahrttouristen treiben sich hier herum. Wir gehen entlang der Fußgängerzone weiter zum Kirch- = Hauptplatz, wieder alles super nett. Am Kirchplatz essen wir bei einer Bude so etwas ähnliches wie einen Hühnerburger und einen Hühnerkepap, aber 10x leckerer. Zurück beim Auto klärt uns ein netter ortsansässiger Herr darüber auf, dass wir eigentlich falsch parken, und dass uns das leicht 700 NOK hätte kosten können. Tja, an diese landestypische Art der Beschilderung muss ich mich erst gewöhnen. 

 

Lindesnes

Das Wetter-App „YR.NO“ sagt für den späteren Abend Regen vorher, und so passt es ohnedies gut, dass wir von Kristiansand etwas früher wegkommen. Es dauert gerade einmal eineinhalb Stunden bis wir am WoMo-Parkplatz beim berühmten Leuchtturm stehen. Dort gibt es einen Art Briefkasten, wo man 100 NOK oder 10 EUR in einem Kuvert mit Kennzeichenbeschriftung einwirft,  dafür darf man parken. Wasser oder Strom gibt es nicht. Ein WC und Abfallentsorgung jedoch schon.

Wir laufen im Bereich rund um den Leuchtturm herum und ich versuche, ein paar Fotos und Videos zustande zu bringen. Das Licht wird jedoch leider zusehends schlechter, bis nur mehr dunkles Gewölk am Himmel ist. Ich warte bis nach 22:00 Uhr, doch das Licht im Leuchtturm ist immer noch nicht an. Ein einigermaßen brauchbares Foto dürfte es also wohl nicht geben. Na dann, „gute Nacht!“. 

 

Helleren in Jøssingfjord

Die Anreise nach Helleren ist in etwa ab Flekkefjord der Wahnsinn! Also ich weiß gar nicht, wie man das beschreiben soll, ich versuch es: Granit. Granit in allen Größen. Von moosüberwachsenen Felskugeln in Fußballgröße entlang von Bächen bis zu hausgroßen Blöcken bis zu ganzen Bergen, das alles garniert mit Bäumen, einzeln oder als Wald. Besonders keck einige Bäume, die völlig isoliert auf irgendeiner - sonst nackten - Felsplatte thronen.  Wasser, links und rechts der Straße herab tropfend oder rinnend, immer wieder Bäche und Seen, runden das Bild ab. In unserem Fall leistet Nebel noch seinen mystischen Beitrag. Leider ist die Straße eng und kurvenreich und bietet kaum Gelegenheiten zum Stehenbleiben und Fotografieren.

In Helleren selbst erweist sich die Fehlleitung des Navis als Vorteil, da wir Mitten im Betriebsgelände einer Firma landen, aber von dort aus einen perfekten Blick zu den alten Häusern unter dem Felsvorsprung genießen können. Ich schieße trotz Nieselregens ein paar Fotos, die Kamera passend im Regenoutfit. Die beiden Häuser unter dem Felsvorsprung sind aus dem 19. Jahrhundert, Teile der Gebäude sind aber auch älter. Wahrscheinlich gab es im 16. Jahrhundert Menschen, die auch das ganze Jahr über dort gelebt hatten, seit 1920 sind sie nicht mehr bewohnt und heute eine Art Freilichtmuseum.

Die Großwetterlage hat sich leider zum Schlechteren verändert, sodass wir umdisponieren, und die - laut Wetter-App regenfreie Stadt Stavanger ansteuern.

 

Stavanger

Es ist nicht zu glauben: Es ist wahrlich kein Schönwetter, es ist quasi noch nicht einmal Vorsaison, aber wir kriegen gerade noch den letzten Stellplatz mit Strom am Campingplatz Mosvangen. Es ist uns wichtig, wieder einmal duschen und das Geschirr waschen zu können, immerhin sind wir ja den 4. Tag unterwegs.

Gegen Abend radeln wir die rund 3 Kilometer in die Stadt und besichtigen den Hafen und die Altstadt, wo gerade die Post abgeht - offensichtlich wird ein Fußballclub gefeiert.

Tags darauf, so gegen 10:00 Uhr, radeln wir erneut in die Stadt und besichtigen das Oljemuseum, das Erdölmuseum. Stavanger ist ja insbesondere als Erdölstadt bekannt geworden, sie ist quasi das Epizentrum der Norwegischen Erdölindustrie. Hochinteressant werden im Museum die hellen und dunklen Seiten der Erdölförderung und -nutzung beleuchtet. Zahlreiche Exponate geben einen Einblick in die riesigen Dimensionen der Geräte und Anlagen, oder erklären Funktionsweisen der Fördertechnologie.

Preikestolen (Prekestolen)

Von der schönen Stadt Stavanger ging es direkt Richtung Preikestolen. Es gilt abzuwägen, 250 NOK für das Parken am Ausgangspunkt der Wanderung, oder 320 NOK am etwa 3km entfernten Campingplatz zu bezahlen und dann auch gleich dort zu bleiben. Die Entscheidung ist leicht gefallen. Nach dem Einchecken am Campingplatz geht es auch gleich los, und zwar zunächst mit den Fahrrädern. Knapp nach dem Parkplatz II ketten wir die Räder an und starten los, und zwar so richtig. Ich bin ganz erstaunt, wie Gaby an den empor wandernden Horden an Asiaten und Iberern vorbei zischt. Der Trail besteht aus Granittafeln und - wo sumpfig - aus Holzbohlen, im obersten Abschnitt auch frei über blanken Granitfels. Nach knapp 2 Stunden sind wir am Ziel. Wir machen die obligaten Fotos und Filmszenen. Gaby ist fest entschlossen und überwindet ihre Angst, um auch von sich ein Foto am Felsrand zu haben. Ich steige noch weiter hoch, in den Bereich über dem Preikestolen, um gute Standorte für das Fotografieren zu finden. 

Nach ausgedehnter Rast und Jause treten wir den Rückweg an. 

Das Wetter-App „YR.NO“ sagt für den folgenden Morgen heiteren Himmel an. So kommt es, dass ich mir den Wecker für 02:00 Uhr stelle und erneut los ziehe. Noch lange vor Sonnenaufgang stehe ich also erneut auf den Felsnischen über dem Preikestolen. Zunächst ist der Himmel noch vollflächig von dunkelgrauem Gewölk bedeckt, doch lichtet sich dieses tatsächlich zusehends. Allerdings bleibt exakt dort, wo die Sonne am Horizont erscheinen soll, eine dicke fette schwarze Berta stehen. Also nix mit strahlendem Sonnenaufgang. Die Stimmung hoch über dem Lysefjord ist dennoch umwerfend und es entstehen einige doch recht passable Fotos.

 

 

Kjeragbolten

Vom Camping Preikestolen fahren wir gegen Mittag los Richtung Kjerag-Gebirge. Ziemlich exakt um 14:00 Uhr treffen wir am Parkplatz „Adlershorst“, dem Ausgangspunkt der Kjeragbolten.-Wanderung ein. Wir löhnen stolze 300 NOK (= rund 30 Euro) Parkplatzgebühr. Ohne es eigentlich noch am selben Tag vor gehabt zu haben, beschließen wir, das (relative!) Schönwetter zu nutzen, und die Wanderung gleich anzutreten. Obwohl wir beide schon 2010 hier waren, haben wir beide kaum Erinnerungen an die Wegbeschaffenheit. Nun gut, diese lässt sich so beschreiben: Teils blanker Granitfels; Wer gute Sohlen hat, wie ich, geht quasi Falllinie hinauf. Wer weniger gutes Schuhwerk hat, muss sich entlang der Kettensicherung hinauf quälen. Zwischendurch immer wieder zu Treppen geschichtete Granitplatten, die steil nach oben führen. 2 Mal geht es aber auch wieder hinunter, es ist also ein Auf-und-Ab. Es kommt uns beiden sehr lang vor. Einige Wegabschnitte müssen dennoch neu angelegt sein, vermutlich um feuchte Stellen zu umgehen und um die Erosion zu verringern.

Gaby bekommt Blasen und ist „not amused“, schlägt sich aber tapfer bis zum Kjeragbolten durch. Dort überwindet sie mutig ihre Furcht und traut sich an meiner helfenden Hand tatsächlich auf den Klemmblock 900 Meter über dem Abgrund.

Beim Rückweg erwischt uns noch ein kurzer Schauer und nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir wieder beim Auto.

Wir fahren noch die Serpentinen nach Lysebotn hinunter und checken am Campingplatz ein. Das Sanitärgebäude ist fast neu und tippi-toppi beisammen. Nach dem Duschen essen wir noch gekochte Hauswürste und fallen bald totmüde ins Bett.

 

Lysebotn > Odda 

Wir sind von Lysebotn wieder durchs Kjeraggebirge retour und dann über Bykle und Hovden auf der 9 Richtung Odda gefahren. Unterwegs gab es in der Gemeinde Valle einen Stopp und in Røldal. Die Stabkirche von Røldal kann man - man möge mir das verzeihen - getrost vergessen: Von außen nichts sagend, und der Innenraum versperrt. Knapp vor Odda dann der Låtefossen, der einem - gefühlt - fast das Wohnmobil von der Brücke fegt. Kurzer Halt zur Besichtigung ist obligat.

Wir checken im Camping Odda ein und stellen fest: Je weiter nordwärts, desto teurer die Campingplätze und desto "einfacher“ die Sanitäranlagen. Fürs WC-Licht werkt ein Bewegungsmelder, der alle 30 Sekunden abschaltet, sodass man während des Stuhlganges herumzappeln muss, wie ein Epileptiker, damit das Licht nicht ausgeht-ich hasse so etwas!

 

 

Trolltunga

Die dritte kuriose Felsformation im Südwesten Norwegens ist die Trolltunga. Die Kilometerangaben und die Angaben zur Dauer der Wanderung zur Trolltunga lassen Gaby erwägen, lieber nicht mitzugehen und stattdessen in Odda zu bleiben.

Ich stehe um 05:50 beim Shuttlebus vorm Campingplatz, das Hin- und Retourticket kostet 250 NOK, also rund 25 Euro. Ein Quadfahrer nimmt noch einmal 200 NOK führ die letzten 3,5km Privatweg, die einem auf diese Weise steile 380hm ersparen, also gut investiert, finde ich.

Die Wanderung beginnt wunderbar im morgendlichen Streiflicht. Es geht gut markiert über eher flaches Gelände, zwischendurch auch über kleine Brücken, da hier überall Wasser fließt oder steht. Nachdem die „Cabin-Area“, also der Bereich, wo viele Hütten stehen, zu Ende ist, steilt der Weg auf und man marschiert über Granittreppen zu einem Sattel. Bald kommt das erste Schneefeld, welches, wie alle folgenden, problemlos zu überwinden ist. So geht es im Auf und Ab dahin, immer wieder an Tafeln mit den Rest-Kilometer-Angaben vorbei. Es ist ein wunderbar sonniger Tag, und ich überlege mir gerade, eine Schicht auszuziehen, als sich die Sonne verdunkelt, ein Donner grollt und Regen zu prasseln beginnt. Ich versuche in Rekordtempo Regengewand anzuziehen und den Regenschutz über den Rucksack zu ziehen, was aber in Anbetracht des Windes gar nicht so leicht ist. Kaum ist diese Hürde genommen, gehe ich ein paar hundert Meter weiter und es ist vorbei mit dem Gewitter. Umso besser! Es sind gerade einmal 2 Leute bei der Trolltunga, als ich ankomme. Das Protokoll zeigt 10,1km und 660hm. Ich positioniere meine Kamera am Stativ, fixiere den Fernauslöser und beginne mit den Aufnahmen. Bis ich fertig bin, sind schon etwa 20 bis 30 weitere Personen da, kurz später wohl doppelt so viele. Ich jausne gemütlich und beobachte das Treiben. Besonders amüsieren und faszinieren mich die Asiaten: Amüsieren wegen ihrer mitunter eigenartig wirkenden Kleidung, faszinieren wegen ihrer Ausdauer und Entschlossenheit.

Kurz erwäge ich den Abstieg über den Klettersteig, da ich aber keinerlei Ausrüstung dafür mitführe, verwerfe ich das gleich wieder und gehe entlang der Aufstiegsroute retour. Die 3,5km, die ich aufwärts mit dem Quad fuhr, muss ich wohl auch zu Fuß absolvieren, da diesmal kein Quad wartet. Ich überlege mir gerade, ein Schicht auszuziehen … Déjà-vu! … es beginnt zu regnen. Das glaubt mir kein Mensch! Also wieder Regengewand an und im Ganzkörperkondom die Asphaltstraße hinunter bis zur Bushaltestelle. So, es ist ca. 14:00 Uhr und der Bus fährt um 16:15 Uhr - Mist! Über 2 Stunden warten. Gaby bietet mir zwar an, mich mit dem WoMo zu holen, aber das will ich ihr nicht zumuten. Kein Restaurant, kein Cafe, nix. Ein Vordach vor einem Container schützt jedoch ganz passabel vor dem Regen. Na ja, was soll ich sagen, oft braucht man eben ein wenig Glück: Der Chef vom oddataxi.no kommt mit dem Bus daher. Er sagt, er hätte gerade nichts besseres zu tun gehabt und dachte sich, bei dem Wetter könnte eine Extratour hilfreich sein. So komme ich, und lediglich eine weitere Person, vorzeitig wieder nach Odda zurück. „Tusen Takk!“ - „vielen Dank!“ - kann man da nur sagen!

 

Buarbreen

Will man in Norwegen einen Gletscher aus der Nähe erleben, ist der Buarbreen bei Odda eine vergleichsweise leicht erreichbare Option. Beschrieben wird die Wanderung als lieblich mit gelegentlichen Schwierigkeiten. In Wahrheit ist es eine richtige „Abenteuerwanderung“: Wir starten am Campingplatz in Odda und fahren mit den Rädern hoch bis zu einem Bauernhof „Buer“, knapp nach den Parkplätzen ist aber auch für die MTBs Ende, denn es wird unfahrbar. Wir ketten die Räder an einen Baum und stapfen einen morastigen Waldpfad hoch. Es ist wirklich sehr idyllisch, zwischen moosbewachsenen Felsen und Bäumen, im Wesentlichen immer parallel zum Wildbach. Der große Bach, der vom Gletscher kommt, bekommt aber auch noch Zulauf von unzähligen Bächen und Rinnsalen, die wir entlang der Wanderung überwinden müssen. Da und dort ist eine Brücke vorhanden, da und dort muss aber auch von einem Stein auf den nächsten balanciert werden, um trockenen Fußes drüber zu kommen. Zwischendurch erfordern immer wieder steile Felspassagen athletische Einlagen. Da muss man klettern oder sich an vorhandenen Tauen hochziehen. Die Anstrengungen werden jedoch von wunderbaren Eindrücken und Ausblicken belohnt. Nach knapp 2 Stunden stehen wir am unteren Ende des Gletschers und bestaunen die Szenerie.

Nach ausgiebiger Rast geht es am selben Weg wieder zurück.

In Odda hüpfen wir noch schnell unter die Dusche, essen Gabys köstliches Gulasch mit Polenta, und setzen anschließend unsere Reise fort, nächstes Ziel Vøringsfoss.

 

Vøringsfoss

Auf Grund meiner Recherchen hätte ich den Vøringsfoss als den eindrucksvollsten Wasserfall Norwegens eingeschätzt, vor Ort wird die Vermutung bestätigt. Wir parken direkt beim „Fossli Hotell“ und es sind nur wenige Meter zur weitläufigen Aussichtsplattform, die hier errichtet wurde. Meist betrachtet man Wasserfälle von unten, dieser wird von hoch oben erlebt. „Dieser“ ist Einzahl und daher etwas irreführend. Tatsächlich sind es gleich mehrere Wasserfälle aus unterschiedlichen Richtungen, die ins Tal stürzen und, unten angelangt, gemeinsam als Fluss ihre Reise fortsetzen. Im Gegenlicht der strahlenden Sonne sieht man Gischt-Wolken tanzen, ich fotografiere viel und kann mich kaum wieder los reißen.

Wir überlegen, ob wir gleich hier nächtigen, oder ob wir noch ein Stück weiter fahren sollen. Da ich noch nicht müde bin, beschließen wir, bis Flåm weiterzufahren.

 

Hardangerbrua

Am Weg vom Vøringsfoss nach Flåm befahren wir die mächtige Hardangerbrücke und ich mache einen kleinen Abstecher nach Osten, um ein Foto von ihr zu erhaschen.

 

Flåm, Stegastein

Die Fahrt vom Vøringsfoss verläuft über Eidfjord und die Hardangerbrücke. 

Die herrliche Fjordlandschaft erscheint im abendlichen Streiflicht noch schöner. Bis Flåm geht es durch etliche teils sehr lange Tunnel. Es ist verblüffen, zu erst fahren wir 11km in einem Tunnel aufwärts, dann verlaufen ein paar 100 Meter Straße im Freien, dann geht es wieder 7km in einem Tunnel abwärts. So kommen wir spätabends in Flåm an und laufen dort ein wenig herum, bestaunen die „Future of the Fjords“, ein vollelektrisches Ausflugsboot, die Flåmbanen, mit der wir  2010 die Tour „Norway in a Nutshell“ machten, und stöberten in einem Shop herum.

Da wir diese Nacht „wild“ stehen wollten, setze ich die Fahrt über Aurland Richtung Stegastein fort. Stegastein ist eine Aussichtsplattform, neudeutsch „Skywalk“, mit herrlichem Ausblick über den Fjord. Das Glück ist uns hold und wir erhaschten die letzten Strahlen der gerade hinter den Bergen untergehenden Sonne.

 

Lærdalstunnelen

Mit etwas über 24km Länge ist der Lærdals-Tunnel der längste Straßentunnel weltweit. Zur Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit sind alle 6 Kilometer blau beleuchtete Buchten vorhanden, die quasi per se schon eine Attraktion sind. Man muss aber auch dazu sagen, dass es in anderen Tunneln, etwa dem Zubringer zur Hardangerbrücke,  sogar Kreisverkehre im Tunnelinneren  gibt, die sind dann auch blau beleuchtet. Auf Grund der vielen euphorischen Berichte, die ich gelesen hatte, habe ich mir eigentlich dennoch mehr erwartet, als lediglich diese 3 blauen Buchten.

 

Sognefjord

Am Sognefjord hätten wir eigentlich eine Mountainbiketour auf den Molden geplant gehabt und wir sind auch schon am Parkplatz quasi abfahrbereit dagestanden, doch der Wetterbericht lässt uns das Vorhaben wieder verwerfen. Wir checken auf einem kleinen Campingplatz ein und nutzen den Regen für Notwendiges, wie etwa Wäsche waschen, und Unnotwendiges, wie Internet surfen. Na ja, ganz so unnotwendig ist das Internet ja nicht, schließlich beruht auf dessen Wetterberichten die Entscheidung, nicht weiter im Sognefjord zu bleiben, zumal dort die nächsten Tage durchgehend Regen vorhergesagt ist.

 

5-Hauben-Küche


So geht´´´ es also essenstechnisch bei uns zu. Diesmal: Feinster Norwegischer Lachs an Kartoffelgemüse. Vielen Dank und Anerkennung an die 5-Hauben-Köchin Gaby!

Fußnote: Bitterer Beigeschmack ist der, dass in Norwegen Bier teurer ist, als Lachs ;-) Aber Gott-sei-Dank reichen vorerst noch die Vorräte an Salatins Rebensaft.

 

Loen, Klettersteig „Ragnarok“

Wir fahren also vom Sognefjord los und durch gemischt regnerisch / trockenes Wetter Richtung Geiranger. Vorbei am Kjøsnesfjorden und dem Innvikfjorden gelangen wir über Olden nach Loen. Hier erlaubt doch tatsächlich eine Regenpause die Begehung des Klettersteiges. Der Zustieg erfolgt gleich neben der Seilbahn, zunächst auf einem sehr steilen Wirtschaftsweg, dann auf einem sehr steilen Waldpfad. Unter der Felsbarriere muss man sich entscheiden: Für die leichte schwere Variante, oder die schwere schwere Variante. Ich nehme natürlich die schwerere Variante „Ragnarok“ mit Stellen bis Schwierigkeitsgrad F. Ich muss sagen, hier bin ich an meine Grenzen gestoßen. Nur Ruhe, Besonnenheit und meine gute Ausrüstung mit Entlastungsbandschlinge sind ausschlaggebend, dass ich das schaffe. Es gibt echt Momente, wo ich nahe am Verzweifeln bin. Der obere Teil und die Seilbrücke sind zwar spektakulär, aber wesentlich leichter und schneller zu absolvieren. Um wieder ins Tal zu kommen investiere ich 380 NOK und schwebe mit dem Skylift hinunter. Dieser Klettersteigausflug dauert 3 Stunden, dann geht es, nach einer Stärkung, weiter Richtung Geiranger.

 

Geiranger

Die Gamle Strynefjellsvegen müssen wir leider wegen einer temporären Sperre auslassen, so fahren wir am Normalweg durchs Gebirge und lassen auch die Dalsnibba Aussichtsplattform links liegen, da der Nebel ohnedies keine gute Aussicht erlaubt. 

Das berühmte Geiranger besichtigen wir nur halbherzig, den Fjord sind wir ja bereits 2010 durchfahren. Das regnerische Wetter bereitet außerdem nicht gerade die Kulisse, die man sich gerne erwarten würde.

 

Trollstigen

Mein Tagesziel ist die Trollstigen, genau genommen das obere Ende der Serpentinenstraße. Dort steigen wir ein wenig auf den weitläufigen Besichtigungsanlagen herum, und bestaunen die mystische Szenerie, die durch den hochwallenden Nebel hervorgerufen wird. Der Parkplatz ist wunderbar eben, wir genießen noch ein Achterl Rotwein und schlafen wunderbar.

 

Atlanterhavsvegen

Ab der Trollstigen beeilen wir uns Richtung Molde zu kommen, wo der Altlanterhavsvegen beginnt. Wir fahren gemäß örtlicher Beschilderung quasi jede Ortschaft aus. Es sind durchaus nette Orte, doch die Bilder wiederholen sich. Die Brücken, die gleichzeitig hoch und geschwungen sind, sind ein kurioser Anblick.

 

Trondheim

Wir haben das Gefühl, dass sich Trondheim seit unserem letzten Besuch deutlich vergrößert hat, möglicherweise liegt das aber auch an den neuen Straßen und Tunneln, die überall entstanden sind. Die Einfahrt in die Stadt erscheint uns jedenfalls sehr lange. Auf Grund des Feiertages bekommen wir direkt vor dem Rathaus einen Parkplatz und wir besichtigen den mittelalterlichten Nidarosdom. Über die Gamle Bybro - die alte Zugbrücke - gelangen wir in die Altstadt und zur bunten Häuserzeile entlang des Flusses Nidelva. Stark erinnert deren Bauweise auf hölzernen Pfahlen an Venedig. Zu guter Letzt gönnen wir uns eine Pizza bei „Peppe´s“. (Foto von Gaby!)

 

Steinkjer

Am Klingsundet finden wir auf dem Campingplatz Føllingstua einen wunderbaren Stellplatz mit herrlicher Aussicht über den See direkt aus dem Auto.

 

Land und Leute

Man sagt ja immer, bei einer Reise lernt man Land und Leute kennen. Also Land und Leute. Zu den Leuten folgende Geschichte:

Ich hatte - speziell in Italien - doch schon die eine oder andere Panne selbst-, oder mit-erlebt. Da gab es etwa den Vorfall, wo bei einem BMW-Motorrad mitten in den Bergen plötzlich die Batterie den Geist aufgab und das Can-Bus-gesteuerte Fahrzeug ohne diese Batterie rein gar nichts mehr macht. Improvisiert schleppten wir die BMW in die nächste Ortschaft. Dort war die Autofficina (Werkstätte) gerade im Begriffe, die Mittagspause anzutreten. Trotzdem hörte ma sich das Problem an. Die passende Batterie hatten sie natürlich nicht. 3 Personen begannen wie wild zu telefonieren und man teilte uns mit, wir sollen doch irgendwo Mittag essen gehen, wenn wir fertig wären, wäre auch das Problem gelöst. Also gingen wir irgendwo auf eine Pasta, und als wir zurück kamen, hatte gerade ein Expresskurier ein passende Batterie bei besagter Werkstätte abgeliefert. Diese wurde ruck zuck eingebaut und die Rechnung fiel obendrein mehr als moderat aus. Alle hatten eine Riesenfreude, die einen, geholfen zu haben, die anderen, dass geholfen wurde.

Beispiel 2: Wir waren im Zuge einer zehntägigen Mountainbike-Tour unterwegs, ein Teilnehmer konnte erst am Tag 5 dazukommen und wurde daher per Auto nach St. Ulrich / Ortisei, Südtirol, gebracht. Beim Verladen des Rades ins Auto ist jedoch irrtümlich ein wichtiges Teil, eine Steckachse, zu Hause in Österreich verblieben. In St. Ulrich wollten wir in einem Radgeschäft eine derartige Achse nachkaufen, es gab jedoch keine passende. In einem zum Verkauf stehenden, nagelneuen Rad war jedoch genau so eine Achse verbaut. Der Händler entfernte diese kurzerhand, überreichte sie dem Betroffenen und sagte - ohne Geld annehmen zu wollen - wir sollen die Achse am Ende der Tour wieder zurückschicken.

Und nun zu den Norwegern: Trotz Einhaltung aller Serviceintervalle, Überprüfungen und eines „Urlaubschecks“ in einer Werkstätte vor Antritt der Norwegenreise ergab es sich, dass mein Wohnmobil irgendwo, ca. 500 Kilometer südlich von Bodø nach einem Ölwechsel rief. Sind größere Orte mit Werkstätten ohnedies schon vergleichsweise weit entfernt und damit schwer zu finden, so kommt dann noch dazu, dass es die Mentalität der Norweger offensichtlich nicht zulässt, spontan, flexibel, anlassorientiert und hilfsbereit zu sein. Etwa 15 Werkstätten hatte ich persönlich aufgesucht und versucht Hilfe zu erhalten. Genau so oft wurde mir als einem Durchreisenden(!!) mitgeteilt, dass sie sich vor 3 bis 5 Tagen nicht in der Lage sähen, einen Werkstatttermin einzuplanen. Für einen Ölwechsel: Altöl ablassen, neues Öl rein, zur Not ohne Filterwechsel, in 15 Minuten erledigt.

Ich bin überzeugt, dass hätte sich anderswo nicht so abgespielt. So gesehen bin ich jetzt natürlich entsprechend enttäuscht von den Norwegern.

 

PS: Auf den Lofoten fand sich mit der Werkstätte Joh Vian in Leknes ein Betrieb, der flexibel und verständnisvoll half.

 

 

Polarsirkelen

Etwa 80 Kilometer (fast durchgängige Baustelle) nördlich von Mo-i-Rana liegt der Polarkreis, der mit dem „Polarsirkelen Center“ gut touristisch verwertet wird. Gaby stürzt sich ins Getümmel, meinereiner gönnt sich ein Powernapping.  (Foto von Gaby!)

 

Bodø

In Bodø kommen wir gegen 20:30 Uhr an, tanken und bevorraten uns noch ein wenig und stellen uns für die Fähre um 03:15 in die Reihe, voller Vorfreude auf die Lofoten. Ganz wenige Fahrzeuge sind schnell verladen und ab geht es. Der Preis ist mit 1.400,— NOK deutlich günstiger, als zuvor recherchiert und für ein 7-Meter-Fahrzeug inkl. 2 Personen für eine 3,5-Stunden-Passage quasi ein Schnäppchen, finden wir. Während der Überfahrt gibt es durchgängig Gratis-highspeed-WIFI und ich nutze die Zeit zum updaten dieses Reisetagebuches.

 

Lofoten; Moskenesøy

Pünktlich um 06:30 fahren wir in Moskenes von Deck. Schnurstracks geht es nach Å, dem Ort, mit dem wohl kürzesten Namen weltweit. In Erinnerung an 2010 parken wir an der selben Stelle am Straßenende und Gaby macht leckere ham & eggs zum Frühstück (damals waren es Palatschinken). Nur ein paar Zirren stören den Strahlehimmel. Um 09:00 Uhr checken wir am Moskenes Camping ein und bald sitzen wir auf den Rädern und unternehmen eine erste Erkundung von Moskenes, Å und Reine. Unterwegs gönnen wir uns Fish & chips sowie „white wine with the fish“ (würde Miss Sophie aus „Dinner for One“ sagen). Erste Fotoimpressionen sind auch bald im Kasten:

 

Der Hausberg von Reine, der Reinebringen, war bisher kein unbedingt leicht erreichbarer Berg. Derzeit wird der Berg gerade von einer Spezialfirma unter Beiziehung von 8 Nepalesen durch Treppenbau massentauglich gemacht. Ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Wie auch immer, der Berg ist wegen der Bauarbeiten eigentlich gesperrt, doch ich denke mir, zu mitternächtlicher Stunde störe ich niemanden und gehe dennoch hoch. Der Ausblick ist tatsächlich überwältigend. Die Mitternachtssonne dringt durch einen Wolkenschleier und die Stimmung ist grandios.

Auch die übrigen kleinen Orte auf dieser Insel, etwa Sakrisøy und Hamnøy sind so wunderschön, dass man praktisch alle fuchs Minuten stehen bleiben und fotografieren muss. Man kommt so gar nicht recht weiter.

 

Lofoten; Flakstadsøya

An unserem Tag 2 auf den Lofoten grasen wir die unteren beiden Regionen, also Moskenesøya und Flakstadøya ab. Bei herrlichem Wetter erleben wir Nusfjord. Nusfjord ist ein idyllisch, etwas abgelegen gelegenes, kleines Dörfchen, das den Wandel vom ärmlichen Fischerdorf in eine attraktiv umgesetzte Tourismusdestination geschafft hat. Neben Unterkünften und Lokalen, gibt es auch Outdooraktivitäten, die hier angeboten werden. Wie wir, kommen viele aber auch nur, um das pittoreske Dörfchen zu besichtigen.

 

Auf Flakstadsøya gibt es aber auch 2 herrliche Sandstrände, nämlich in Flakstad und Ramstad, die vielfach von Surfern und - soweit möglich ;-) - Badegästen genutzt werden.

In Sund besichtigen wir ein Museum über Schmiedekunst und Motortechnik. Ein alter Schiffsdiesel, der hier zu Schauzwecken läuft, hat es mir besonders angetan.

 

In Wahrheit müsste man beim Durchfahren der Landschaft alle paar Meter stehen bleiben und fotografieren, beinahe jede Ecke ist wunderbar anzusehen.

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Lofoten-Strände

Es ist unglaublich, welch schöne Strände auf den Lofoten zu finden sind. Heute unternehmen wir die Wanderung zum Waldstrand "Ulakleiv". Rund 200hm auf der einen Seite hoch, genau soviele auf der anderen wieder runter - eine Straße dorthin gibt es nicht. Der Strand ist von den EOFT (European Outdoor Film Tour) bekannt. Ein paar junge Leuten blieben dort 6 Monate, um all den Müll zu sammeln, der dort vom Meer angespült wird. Sie dokumentieren das, und die Entsorgung, die daraufhin veranlasst wurde.

Nachmittags besichtigen wir die anderen "Karibik-Strände", Eggum, Unstad und Haukstad (Utakleiv): Unglaublich schön!

 

Mountainbiken auf den Lofoten

Es ist gar nicht so einfach, in Norwegen, speziell auf den Lofoten, lohnende MTB-Ziel zu finden, zumal ja die Berge meist sehr verblockt sind. Wo es etwas flacher ist, steht sofort überall das Wasser. Über den Smørdalskammen auf den Finngluntan unweit von Leknes wäre so eine einigermaßen lohnende Tour. Die Auffahrt führt zunächst über einen Traktorweg bis zum oberen Ende einer Sprungschatze. Das Norwegische Achomitz, quasi. Dann auf einem Steig durch Schafweiden. Oberhalb dieser Weide beginnt ein Baum-/Strauchgürtel, der eher dicht ist, feucht ist und so steil, dass der Steig in Summe nicht mehr fahrbar ist. Ist diese Hürde genommen, wird es wieder flacher und ganz gut fahrbar. Auch die Aussicht ist wieder einmal wunderbar. Bergab geht es wirklich flowig - bis auf den Strauchgürtel. Dass Rad und Reiter aussehen, wie Erdferkel, bringt das feucht-schlammige Terrain mit sich. Auffällig ist, dass - wie oft in Italien - Wanderer applaudieren, wenn man mit dem Mountainbike kommt. Unvorstellbar in Österreich.

Nach absolvierter Fahrt gönnen wir uns eine Chillout-Phase am Haukland-Strand und bleiben dort auch gleich über Nacht.

 

Hanningsvær

Ein absolutes Zuckerl ist, finden wir, Hanningsvær. Dieser überschaubare Ort ist wirklich nett, bietet ein paar attraktive Geschäfte und Cafes. Ziemlich berühmt dürfte das „Hil-Stadion“ sein, ein Fußballplatz, der zwischen seine felsigen Abgrenzungen und die Stockfisch-Trockenstangen eingebettet ist. Besonders gut in Szene gesetzt wird das mit Drohnenfotos.

Kabelvåg und Svolvær

Wir beziehen unseren nächsten Stellplatz in Kabelvåg, etwa 10 Kilometer von der größten Stadt der Lofoten, Svolvær, entfernt. Mit den Rädern geht es bald dorthin, doch von Svolvær sind wir beide ziemlich enttäuscht. Ein großer Platz, Hotelneubauten, Gerwerbezonen. Also geht es eher bald wieder zurück zum Wohnmobil. Ich rüste mich für eine in dieser Gegend besonders lohnende Bergtour, nämlich auf den (die?) Fløya. Die Tour beginnt bei Friedhof von Svolvær und führt relativ steil und vielfach ausgesetzt hoch. Unterwegs passiert man die Djevelsporten, die Teufelsbrücke, ein Klemmblock, auf den man fototauglich hinaufsteigen kann. Vom Gipfel des Fløya übersieht man wunderbar die Umgebung, insbesondere natürlich Svolvær. 

Man hat aber auch einen spektakulären Blick zur Geiß von Svolvær, der Svolværgeita. Das ist eine Felsnadel mit einer Doppelspitze (wie die Hörner einer Ziege / Geiß), auf die Kletterer gerne hochsteigen und dann eindrucksvoll von einer Hornspitze auf die andere springen. 

 

Finale auf den Lofoten

Zu guter Letzt fahren wir auf den Lofoten noch Austvægøya ab, sprich insbesondere Laukvik und Grunnfør. Hinter uns verfolgt uns das Schlechtwetter, wir haben es aber noch total schön. Auch nach Digermulen müssen wir noch unbedingt, schließlich hat es dort doch auch schon dem Deutschen Kaiser Wilhelm II hervorragend gefallen. Im Bereich Tennstrand widmen wir uns einem kurzen Schläfchen bis gegen 16:30 Uhr die „MS Polarlys“ der Hurtigruten eindrucksvoll südwärts vorbei gleitet.

Das Überfahren der Tjeldsundbrua bedeutet leider - wie schon 2010 - Abschied nehmen von den Lofoten. Hm - echt schade - es fällt wirklich schwer!

 

 

Senja

Ich drücke aufs Gas und fahre durch bis auf Senja, wo wir spätabends ankommen. Noch gegen 23:00 Uhr mache ich mir in Fjordgård ein Bild von den Zustiegsmöglichkeiten zum Segla, dem wohl bekanntesten Gipfel Senjas. Dicke Regenwolken lassen eine Ersteigung derzeit nicht sinnvoll erscheinen. Die Zufahrt nach Fjordgård ist abenteuerlich: Die Tunnel werden gerade restauriert, irgendwelche Hinweisschilder wegen allfälliger temporärer Sperren sind leider unverständlich, da lediglich in Norsk gehalten. Es hängen fette grau Wolken über den Bergen, sodass ich wieder aus dem Fjord hinausfahre und außerhalb der zeitweise gesperrten Tunnel einen Nachtplatz ansteuere.

Am nächsten Morgen erfolgt eine strategische Beratung, die ergibt, dass wir - wetterbedingt - bis Donnerstag den Besuch in Tromsø vorziehen. Gesagt, getan, wir besuchen noch ein paar „hot spot´´´ s“, etwa das Teufelsgebiss (so nennt sich der unten abgebildete Felskamm), und dann verlassen wir die Insel wieder und langen um etwa 14:30 am „Camping Tromsø“ ein.

 

Rad fahren auf Senja

Senja ist - im Gegensatz zu den Lofoten - touristisch noch ein bissel nackerbatzi. Aber scheinbar ist es für RadfahrerInnen trotzdem (oder gerade deswegen?) höchst attraktiv. Die zahllosen Tunnel vor Ort sind aber, erstens, überwiegend einspurig und, zweitens, zappenduster. Dem wurde aber seitens der Kommunen vorgesorgt: Vor und nach jedem Tunnel gibt es für RadfahrerInnen die Möglichkeit eine Warnweste auszuborgen und einen Button zu betätigen, der ein Verkehrszeichen "Radfahrer im Tunnel" zum Blinken bringt. Nach überlebter Durchfahrt gibt man die Weste wieder in den Art Briefkasten - erledigt.


 

Bezahlen in Norwegen

Ich bin ja wirklich ein großer Fan von papierlos, und bargeldlos, usw., und von daher ist Norwegen für mich quasi ein Schlaraffenland. Bezahlen geht praktisch überall mit Karte. Bei uns unvorstellbar, funktionieren hier sogar diese Spielfahrzeuge in Einkaufszentren mit Kartenzahlung: Karte kontaktlos auf das Terminal und schon schaukeln die Kleinen vergnügt dahin.


 

Tromsø

Mit dem Camping Tromsø erwischen wir ein echt feines Platzerl: Alles neu, alles sauber, alles großzügig dimensioniert. Wir besichtigen kurz die Altstadt und besuchen ein "Mitternachtssonnen-Konzert" in der Eismeerkathedrale.

Den nächsten Tag verbringen wir damit, phasenweise einfach nichts zu tun, Essen vorzukochen, Adminstratives und "social media" zu erledigen, und ähnlichem. Nein - also wirklich, ich hänge nicht dauernd vor facebook!  Es ist mir neben all der Aktivitäten während dieses Urlaubes doch tatsächlich gelungen, Marc Elsbergs neuesten Roman "GIER" zu lesen. An dieser Stelle eine uneingeschränkte Empfehlung für dieses äußerst gelungene Werk! (Mein neuer Lieblingsroman, nur getoppt von "Homo Deus" von Yuval Noah Harari)

Auch ein weiterer Bummel in der City vcon Tromsø wird absolviert. Keine besonderen highlights zu vermelden.

Senja, Segla

Wir starten um 03:00 Uhr früh vom Campingplatz Tromsø und eilen nach Fjordgard auf Senja, wo wir um 06:30 Uhr eintreffen. Bereits eine halbe Stunde später stapfen wir den Steig Richtung Segla hoch. Zunächst moderate Steigung durch ein lichtes Wäldchen, dann steilt es auf. Ab dem Sattel mit der Wegkreuzung steilte es so richtig auf! Hardcore-Gelände, erdig und verblockt, auf der Mefjord-Seite senkrecht, teils sogar überhängend abfallend. Gaby tigert tapfer hinauf und 2 Stunden später stehen wir neben der wehenden Norwegen-Fahne auf dem Gipfel.

Vom Segla hatte ich schon so viele schöne Fotos gesehen, sodass es für mich ein ganz besonderes Anliegen war, ihn zu besteigen. Seine markante Form, die - aus entsprechender Blickrichtung - an ein Segel erinnert, ist einzigartig. Zwischen zwei Fjorden segelt er sozusagen dahin.

 Hinunter zu gehen ist auf Grund der Steilheit ebenso fordernd, jedoch bei Weitem nicht so extrem, wie es, einem zuvor gelesenen Bericht nach, zu erwarten gewesen wäre.

Wieder beim Wohnmobil angelangt bleibt Gaby dort und ruht sich aus, meinereiner nimmt noch einen zweiten Berg in Angriff, den Hesten. Dieser steht unmittelbar neben dem Segla und stellt daher die ideale Aussichtswarte auf den Segla dar. Es entstehen etliche Fotos, doch wir schreiben den 20. Juni, also ist Sonnenhöchststand und zu keinem Zeitpunkt des Tages steht die Sonne wirklich ideal für „epische“ Werke.

Wie auch immer, ich bin hochzufrieden mit dem Tag, mit der Tatsache, dass es sich wettermäßig noch so gut ausgegangen ist, den Segla zu besteigen, und mit dem gesamten bisherigen Verlauf der Norwegenreise.

Heimreise

Es ist gelungen, nahezu alle Ziele, alle "POI's" -Points of Interest - die Im Zuge der Planung der Norwegenreise Relevanz bekommen haben, auch zu sehen und zu erleben. Wir sind überaus glücklich, mit dem Verlauf der Reise und dem Erlebten.

Hier, im Norden Norwegens ist für die nächsten Tage Regenwetter und Kälte angesagt, soweit die Prognosen reichen. Der perfekte Zeitpunkt also, um am 21. Juni 2019, voller Zufriedenheit die Heimreise über unfassbare 3.600km anzutreten.

 

Die Fahrt erfolgt ab dem Camp Fjordbotn auf Senja über Narvik nach Kiruna, welches bereits in Schweden liegt. Am selben Tag geht es noch bis Luleå am Bottnischen Meerbusen. Tags darauf geht es über die E4 weiter südwärts, bis Hedesunda, wo wir diesmal "wild" an einem kleinen See nächtigen. Die letzte Etappe in Schweden führt uns bis Göteborg, wo wir uns auch Zeit für eine Stadtbesichtigung nehmen. Um 04:15 des nächsten Tages setzen wir nach Frederikshavn, Dänemark, über. Fein! Jetzt sind es "nur" mehr 1.600km.

 

Das erste, was uns in DK gleich wieder unangenehm auffällt, ist der enorme LKW-Verkehr, der ja in Norwegen und Schweden bei weitem nicht so ausgeprägt ist. 

Es geht an diesem Tag noch über die E45 bis Halle, wo wir bei einem Autohof nächtigen. Auffallend: In der Nacht ist es wieder dunkel. Der "Stalltrieb" lässt mich das Wohnmobil die letzten 800km zusehends schneller fahren, soweit das eben bei dem, in Deutschland beinahe untragbar dichten, LKW-Verkehr überhaupt möglich ist. Gegen 17:00 Uhr des 25. Juni 2019 langen wir wieder zu Hause ein, dankbar, für den eindrucksvollen Urlaub, aber auch dankbar, dass die 9.430 Kilometer unfall- und zwischenfallsfrei absolviert werden konnten.

 

 

"Was hat Euch das denn gekostet?"

Diese Frage ist oft eine der ersten, die einem gestellt wird. Da soll auch kein Geheimnis daraus gemacht werden, daher jetzt ein wenig Statistik:

  1. Treibstoff für 9.430 Kilometer ... 1.300,-- EUR
  2. Fährkosten ... 630,--
  3. Mautkosten ... 120,-- *)
  4. Nächtigung (Stellplatzgebühr Campingplätze) ... 650,--
  5. Essen und Getränke **) ... 1.000,--
  6. Diverses sonstiges (z.B. Eintritte) ... 300,--

In Summe also rund 4.000,-- Euro, wobei etwa der "Wertverlust" am Wohnmobil nicht eingerechnet ist.

 

———

 

*) Die Abrechnung der zahllosen Norwegischen Mautstrecken erfolgt derart, dass man im Vorfeld sein Fahrzeug registriert und einen Transponder erhält, den man dann während der Reise mitführt. Wir sind inSumme 22 mal durch einen mautpflichtigen Sektor gefahren. Die einzelnen Beträge sind i.d.R. minimal, sodass am Ende auch keine wahnsinnig große Rechnung herauskommt.

 

**) Gaby hatte vorgekocht und wir hatten daher überwiegend mitgeführte Speisen zur Verfügung. Die Kosten für die mitgeführten Speisen und Getränke sind hier nicht enthalten, sondern lediglich jene, die vor Ort in Skandinavien anfielen. 


PLANUNG

Am Abend des 29. Mai 2019 geht es los: Wir starten die große Reise und beginnen zunächst mit der Anfahrt quer durch Deutschland. Vorausgesetzt es klappt alles, wie vorgesehen, werden wir am 1. Juni von der Fähre auf Norwegischen Boden rollen und im Uhrzeigersinn vorgehen. Die Rückreise wird - nach Maßgabe der vorhandenen Restzeit - zügig und direkt über Schweden erfolgen.

Die nachfolgende Karte zeigt POIs (Points of Interest, also Orte, die von Interesse sind) die wir bereits bei vorangegangenen Reisen gesehen hatten, spiegelt aber auch unsere Planung für 2019 wieder. In der Karte wurde über lange Zeit alles eingepflegt, was von Interesse sein könnte. Was wir davon tatsächlich ansehen, wird vor Ort spontan entschieden, nach Maßgabe von Zeit und Wetter, aber beispielsweise auch in Hinblick auf Sinnhaftigkeit eines eventuell großen Umwegs.

Im Wesentlichen haben wir drei Schwerpunkte:

  • Den Südwesten
  • Die Inselgruppe Lofoten
  • Die Insel Senja

Gänzlich außen vor bleibt alles nördlich von Tromso und damit insbesondere das - unserer Einschätzung nach - völlig uninteressante, und lediglich eine Touristenfalle bildende, Nordkap.

 

Der nachfolgende Teil 1 der Routenplanung umfasst den Südwesten Norwegens, also die Südspitze, den Lysefjord, Bergen und den Jostedalsbreen:

 

Der Teil 2 der Routenplanung zeigt den Bereich ab dem Jostedalsbreen zur Gamle Strynefjellsvegen, Geiranger und Trollstigen, Atlanterhavsveien, Kystiksveien, Lofoten und Senja bis Tromsö:

 

In Bezug auf die Einreisebestimmungen gibt es bei verbrauchssteuerpflichtigen Waren doch Grenzen, und die sind eher gering. Für uns Zwei hat sich die Variante "9 Liter Wein und 4 Liter Bier" als die geeignetste herauskristallisiert.  Details zu den Bestimmungen siehe hier.


 

Könnte ebenfalls von Interesse sein: Die Fotoserie, die 2010 entstanden ist:

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Kommentare: 6
  • #1

    Hans (Freitag, 31 Mai 2019 13:49)

    Ich war vor einigen Tagen an der deutsch-dänischen Grenze und habe u. a. auch dafür gesorgt, dass sich die wolken verziehen :) ....... einem schönen und erlebnisreichen Urlaub steht also nichts mehr im Wege! Alles Gute und LG.

  • #2

    freundderberge @ Hans! (Sonntag, 02 Juni 2019 09:36)

    Vielen Dank Hans, jetzt bitte noch ein bissel weiter an den Wolken schieben! Beste Grüße!

  • #3

    Philipp (Dienstag, 04 Juni 2019 11:12)

    Hallo Gaby, hallo Kurt,
    hab gerade euer Reisetagebuch gefunden. Schön, dass ich da ein wenig mitlesen und auch mitreisen kann!

  • #4

    Claudia (Dienstag, 18 Juni 2019 21:06)

    Toller Reisebericht, super Fotos ! Vielen Dank für den informativen, und spannenden Reisebericht. Eine sehr kurzweilige Lektüre. Ich wünsche Euch, wenn es denn soweit ist, eine entspannte und sichere Heimfahrt ! Mit hanseatischen Grüßen

  • #5

    Thomas (Donnerstag, 20 Juni 2019 23:32)

    Toller Reisebericht mit ganz tollen Fotos �. Gerne würde ich die Tour so oder so ähnlich nachfahren, aber leider wird das in absehbarer Zeit noch nicht klappen. Aber irgendwann mal... �

  • #6

    Stefan (Samstag, 22 Juni 2019 09:23)

    Hallo Ihr Zwei...
    wow.... meinem Wunsch wieder ein Stück näher gekommen....
    sehr schöner Bericht...

    hoffe Ihr seit gut Zuhause angekommen!!

    Beste Grüße und bleibt gesund,
    Stefan